Ratgeber · Überstunden & Zeitkonto

Arbeitszeitkonto führen: Was Arbeitgeber wissen müssen

Lesezeit ca. 7 Min.Stand: August 2026
Kurz beantwortet

Ein Arbeitszeitkonto hält fest, wie weit die tatsächliche Arbeitszeit über oder unter der vertraglichen Sollzeit liegt. Es setzt eine rechtliche Grundlage voraus: Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag. Plusstunden müssen bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden; sie verfallen nicht einfach. Minusstunden dürfen nur verrechnet werden, soweit der Arbeitnehmer sie selbst zu verantworten hat, für Ausfälle durch Betriebsstörungen trägt der Arbeitgeber das Betriebsrisiko (§ 615 BGB). Die tägliche Arbeitszeit bleibt an § 3 ArbZG gebunden (max. 10 Stunden mit 24-Wochen-Ausgleich). Bei Kündigung müssen Plusstunden ausgezahlt oder in Freizeit gewährt werden.

Was ist ein Arbeitszeitkonto und welche Formen gibt es?

Ein Arbeitszeitkonto erfasst die Differenz zwischen der vertraglich geschuldeten Sollarbeitszeit und der tatsächlich geleisteten Ist-Zeit. Arbeitet ein Mitarbeitender mehr als vereinbart, entstehen Plusstunden; arbeitet er weniger, entstehen Minusstunden. Das gibt dem Betrieb Flexibilität bei schwankender Auslastung, ohne für jeden Mehrarbeitstag sofort Vergütung zahlen zu müssen.

KontoartTypischer HorizontZweck
Gleitzeitkontotäglich / monatlichFlexible Lage der Arbeitszeit; Plusstunden fließen als Freizeit zurück
Jahresarbeitszeitkontobis 12 MonateAusgleich saisonaler Schwankungen über das Kalenderjahr
Langzeitkonto (Wertguthabenkonto)mehrere JahreSabbatical, Pflegezeit, gleitender Renteneintritt (§§ 7b, 7e SGB IV)

Welche rechtliche Grundlage ist nötig?

Das Arbeitszeitgesetz schreibt kein Zeitkonto vor, lässt es aber zu. Die Einführung und Ausgestaltung braucht eine von drei Grundlagen:

WichtigFehlt eine Grundlage und der Arbeitgeber ordnet dennoch Mehrarbeit an, schuldet er Vergütung, das Führen eines Zeitkontos auf Zuruf ohne Vereinbarung ist rechtlich nicht haltbar.

Welche Grenzen setzt das Arbeitszeitgesetz?

Ein Zeitkonto hebt die gesetzlichen Arbeitszeitgrenzen nicht auf:

Das Zeitkonto organisiert nur den Ausgleich von Mehrarbeit, es darf keine Arbeit abrufen, die gegen das ArbZG verstößt.

Wie werden Plusstunden ausgeglichen?

Plusstunden sind geleistete Arbeit. Sie müssen entweder durch Freizeit ausgeglichen oder vergütet werden. Was vorgeht, richtet sich nach der Vereinbarung:

Was gilt bei Minusstunden?

Minusstunden entstehen, wenn Mitarbeitende weniger arbeiten als die Sollzeit. Hier ist zwingend zu unterscheiden:

Betriebsrisiko-FalleEin Arbeitgeber, der Mitarbeitende nach Hause schickt, weil keine Aufträge vorliegen, und die ausgefallene Zeit als Minusstunden bucht, verletzt seine Lohnzahlungspflicht. Die Mitarbeitenden können den Lohn nachfordern, auch rückwirkend innerhalb geltender Ausschlussfristen.

Welche Pflichten hat der Arbeitgeber beim Führen des Kontos?

Langzeitkonto: Wertguthaben und Insolvenzschutz

Wer ein Langzeitkonto führt (etwa für Sabbatical, Pflegezeit oder gleitenden Renteneintritt), unterliegt den besonderen Regeln der §§ 7b–7e SGB IV:

Normale Gleitzeit- oder Jahresarbeitszeitkonten sind keine Wertguthabenkonten, der Insolvenzschutz nach SGB IV greift dort nicht. Im Insolvenzfall des Arbeitgebers sind aufgelaufene Plusstunden gewöhnliche Lohnforderungen und im Rang entsprechend eingestuft.

Häufige Fehler

Häufige Fragen

Muss jeder Betrieb ein Arbeitszeitkonto führen?
Nein. Ein Zeitkonto ist freiwillig und braucht eine vertragliche, betriebliche oder tarifliche Grundlage. Was dagegen Pflicht ist: die tägliche Arbeitszeiterfassung (Beginn, Ende, Dauer) nach § 3 Abs. 2 Nr. 1 ArbSchG i. V. m. dem BAG-Beschluss vom 13.09.2022.
Darf der Arbeitgeber Ausfallzeiten als Minusstunden buchen?
Nein, wenn die Ursache in der Betriebssphäre liegt (z. B. Auftragsmangel, Maschinenstillstand). Der Arbeitgeber trägt das Betriebsrisiko nach § 615 BGB und muss den Lohn fortzahlen. Minusstunden dürfen nur für selbst verschuldete Fehlzeiten des Arbeitnehmers gebucht werden.
Was passiert mit Plusstunden bei Kündigung?
Sie müssen ausgezahlt oder durch Freizeit (z. B. in der Kündigungsfrist) ausgeglichen werden. Ein einfacher Verfall ist nur zulässig, wenn der Arbeitgeber den Mitarbeitenden vorher eindeutig zur Reduzierung aufgefordert hat und er dazu ausreichend Gelegenheit hatte.
Brauchen wir eine Betriebsvereinbarung für das Zeitkonto?
Bei vorhandenem Betriebsrat ja, die Einführung ist mitbestimmungspflichtig (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG). Ohne Betriebsrat genügt eine individualvertragliche Regelung im Arbeitsvertrag, die Saldogrenzen und Ausgleichsregeln klar benennt.

Arbeitszeitkonto automatisch führen lassen

Mit modvio stempeln Mitarbeitende per App: Plus- und Minusstunden werden täglich berechnet, der aktuelle Saldo ist für alle einsehbar. Kein manuelles Abgleichen, kein Fehler beim Monatsabschluss.

Kostenloses Erstgespräch

Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick nach dem Rechtsstand Juli 2026 und ersetzt keine Rechtsberatung. Für den Einzelfall (etwa Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder Klauseln im Arbeitsvertrag) wende dich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Erstellt mit KI-Unterstützung. Redaktionell verantwortlich: Alexander Barzik (siehe Impressum).