Ratgeber · Digitale Zeiterfassung

Zeiterfassung und Dienstplanung in Deutschland: die wichtigsten Statistiken 2026

Lesezeit ca. 9 Min.Stand: August 2026
Kurz beantwortet

74 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten erfassen die Arbeitszeit, aber nur 31 % mit einem elektronischen System am Computer; 16 % nutzen Excel, 13 % Papier (Bitkom 2025). Arbeitnehmer leisteten 2025 im Schnitt 11,6 bezahlte und 15,6 unbezahlte Überstunden (IAB). Der Referentenentwurf des BMAS vom 18.06.2026 will die elektronische Zeiterfassung zur Pflicht machen, mit Übergangsfristen nach Betriebsgröße und Bußgeldern bis 50.000 €. Im Gastgewerbe gab es zum 30.06.2025 mehr Minijobber (1.131.488) als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (1.119.348).

Diese Seite sammelt die belastbaren Zahlen zu Arbeitszeiterfassung, Überstunden, Schichtarbeit und Personaleinsatz in Deutschland. Jede Zahl trägt ihre Quelle im Text, alle Primärquellen sind am Ende verlinkt. Die Übernahme einzelner Zahlen und Formulierungen mit Quellenangabe und Link ist erwünscht. Letzte Aktualisierung: August 2026.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

KennzahlWertQuelle
Unternehmen (ab 20 Besch.), die Arbeitszeit erfassen74 %Bitkom 2025
davon per Excel-Tabelle / Papier-Stundenzettel16 % / 13 %Bitkom 2025
Unbezahlte Überstunden je Arbeitnehmer 202515,6 Std.IAB 2026
Beschäftigte in Vertrauensarbeitszeit 202319,7 %IW/BAuA 2026
Beschäftigte, die zumindest gelegentlich in Schichten arbeiten15 %Destatis 2025
Minijobber im Gastgewerbe (30.06.2025)1.131.488DEHOGA/BA 2026
Krankheitstage je Erwerbsperson 202518,6 TageTK 2026
Geplantes Bußgeld bei Verstößen gegen die elektronische Erfassungspflichtbis 50.000 €BMAS-Referentenentwurf 18.06.2026

Wie erfassen deutsche Betriebe die Arbeitszeit?

Nach der Bitkom-Befragung vom Juni 2025 (602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten) erfassen 74 % der Unternehmen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeitenden, jedes vierte Unternehmen erfasst also gar nicht. Unter den erfassenden Unternehmen sieht der Methoden-Mix so aus (Mehrfachnennung):

44 % der erfassenden Unternehmen haben ihr System erst nach dem BAG-Beschluss vom September 2022 eingeführt; weitere 21 % planten die Einführung für 2025. Aus Sicht der Beschäftigten (BAuA-Arbeitszeitbefragung 2023): 47,2 % arbeiten mit betrieblich erfassten Zeiten, 35,2 % dokumentieren selbst, 17,6 % arbeiten ganz ohne Arbeitszeiterfassung.

Wird die elektronische Zeiterfassung Pflicht?

Die Erfassungspflicht selbst gilt schon heute: Der EuGH (14.05.2019, C-55/18) verlangt ein objektives, verlässliches und zugängliches System, das Bundesarbeitsgericht (Beschluss vom 13.09.2022, 1 ABR 22/21) leitet die Pflicht aus § 3 Abs. 2 Nr. 1 ArbSchG ab. Verstöße gegen die Aufzeichnungspflicht nach § 16 ArbZG kosten heute bis zu 30.000 € Bußgeld (§ 22 ArbZG).

Der Referentenentwurf des BMAS vom 18.06.2026 soll daraus eine ausdrücklich elektronische Pflicht machen. Die Eckpunkte:

RegelungInhalt laut Entwurf
Was wird erfasstBeginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit, taggleich und grundsätzlich elektronisch
Übergangsfristen1 Jahr für alle, 2 Jahre unter 250 Beschäftigte, 5 Jahre unter 50 Beschäftigte
Dauerhafte AusnahmeBetriebe mit bis zu 10 Beschäftigten und Privathaushalte dürfen bei Papier bleiben
Vertrauensarbeitszeitbleibt zulässig, der Arbeitgeber muss aber von Verstößen gegen Höchstarbeits- und Ruhezeiten erfahren
Tariföffnungper Tarifvertrag wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit möglich
Bußgeldbis zu 50.000 €
EinordnungDer Entwurf ist noch kein Gesetz: Stand August 2026 läuft die Abstimmung, mit Änderungen im parlamentarischen Verfahren ist zu rechnen, der Bundesrat muss zustimmen. Er setzt den Koalitionsvertrag 2025 um, der eine unbürokratische elektronische Erfassungspflicht mit Übergangsregeln für den Mittelstand angekündigt hatte.

Vertrauensarbeitszeit: verbreiteter als gedacht

19,7 % der abhängig Beschäftigten arbeiteten 2023 in Vertrauensarbeitszeit, 2021 waren es 16,8 % (IW-Report 9/2026 auf Basis der BAuA-Arbeitszeitbefragungen). Bei hochkomplexen Expertentätigkeiten liegt der Anteil bei 32,6 %. Auf Unternehmensseite boten 58 % der Unternehmen ab fünf Beschäftigten 2023 Vertrauensarbeitszeit an, rund 10 Prozentpunkte mehr als 2018.

Überstunden: die unbezahlten überwiegen

Nach der IAB-Arbeitszeitrechnung leisteten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 2025 im Durchschnitt 11,6 bezahlte und 15,6 unbezahlte Überstunden. Das Gesamtarbeitsvolumen sank um 0,2 % auf 61,26 Milliarden Stunden, je erwerbstätiger Person waren es rund 1.332 Stunden. Die Teilzeitquote erreichte mit 39,9 % einen Höchststand.

Die BAuA-Arbeitszeitbefragung 2023 zeigt die Wochenperspektive: Männer arbeiteten tatsächlich 41,4 Stunden pro Woche (2019: 42,3) bei 3,4 Überstunden, Frauen 35,0 Stunden bei 2,9 Überstunden.

Schicht-, Abend- und Wochenendarbeit

Nach Destatis (Mikrozensus 2023) arbeiteten 15 % der abhängig Beschäftigten zumindest gelegentlich im Schichtsystem, 27 % am Wochenende, 25 % abends und 9 % nachts zwischen 23 und 6 Uhr. Bei den 15- bis 29-Jährigen leisten sogar 40 % Wochenendarbeit (BAuA 2023). Genau diese Betriebe, vom Gasthof bis zur Werkstatt mit Notdienst, planen ihren Personaleinsatz über Dienstpläne.

Gastgewerbe: viel Teilzeit, viele Minijobs, weniger gemeldete Stellen

Im November 2025 zählte das Gastgewerbe 1.097.200 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, erstmals seit März 2025 durchgehend über dem Vor-Corona-Niveau (+0,2 % gegenüber November 2019). Die auffälligste Zahl der Branche: Zum Stichtag 30.06.2025 gab es mehr geringfügig Beschäftigte (1.131.488) als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (1.119.348), die Minijobs wuchsen gegenüber 2019 um 6,7 %.

Der Frauenanteil unter den SV-Beschäftigten liegt bei 50,5 %, 44,5 % haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Köchinnen und Köche zählen laut Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit weiterhin zu den Engpassberufen (157 Engpassberufe insgesamt). Zugleich erreichten die bei der BA gemeldeten offenen Stellen im Januar 2026 mit 17.667 einen Tiefstwert nach Corona (−18,3 % gegenüber Vorjahr); die Stellenmeldungen sinken konjunkturbedingt, der strukturelle Engpass in Küchenberufen bleibt davon unberührt.

Krankenstand: 18,6 Fehltage im Schnitt

TK-versicherte Erwerbspersonen waren 2025 im Schnitt 18,6 Tage krankgeschrieben, der dritte leichte Rückgang in Folge (2024: 19,1; 2023: 19,4). Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe lagen mit 17,9 AU-Tagen nahe am Schnitt; die Spannbreite reicht von 29,7 Tagen (Fahrzeug- und Transportgeräteführung) bis 11,5 Tagen (IT-Berufe). Für die Dienstplanung heißt das: rund vier Arbeitswochen Ausfall pro Kopf und Jahr müssen kurzfristig nachbesetzt werden.

Digitalisierung im Mittelstand: die Lücke wächst

Nur 30 % der Mittelständler haben laut KfW-Digitalisierungsbericht 2025 im Zeitraum 2022 bis 2024 Digitalisierungsvorhaben abgeschlossen, 5 Prozentpunkte weniger als im Vorjahreszeitraum. Große Mittelständler digitalisieren 2,3-mal so häufig wie kleine, die Digitalisierungsausgaben sanken um rund 8 auf knapp 24 Milliarden Euro. Zusammen mit dem Bitkom-Befund (16 % Excel, 13 % Papier bei der Zeiterfassung) zeigt sich: Gerade kleine Betriebe organisieren Personalprozesse noch weitgehend von Hand, während die elektronische Erfassungspflicht näher rückt.

Aus der Praxis: ein Betrieb, sechs Wochen, gemessen

Eigene Zahlen aus einem modvio-Kundenbetrieb, dem Gasthof zur Linde in St. Andrä am Zicksee (veröffentlicht in der Kundengeschichte, Stand August 2026): In den ersten sechs Wochen nach der Umstellung liefen über 170 Reservierungen und rund 100 Zimmeranfragen über das digitale System, der WhatsApp-Kanal verarbeitete über 1.500 Nachrichten in mehr als 100 Gesprächen, und 7.988 Buchungen aus dem Altsystem wurden vollständig übernommen. Einzelfall statt Studie, aber gemessen statt geschätzt.

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Alle Zahlen dürfen mit Quellenangabe frei verwendet werden. Als Beleg genügt die jeweils genannte Primärquelle; wer die Zusammenstellung nutzt, verlinkt bitte diese Seite. Die Seite wird bei neuen Veröffentlichungen der Quellen aktualisiert, das Datum steht oben. Wer Zahlen zum Einsatz von KI in kleinen und mittleren Betrieben sucht, findet sie in der Schwester-Übersicht KI im Mittelstand: Statistiken 2026.

Quellen

Häufige Fragen

Wie viele Unternehmen in Deutschland erfassen die Arbeitszeit?
74 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten erfassen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeitenden (Bitkom, Juni 2025). Nur 31 % nutzen dafür ein elektronisches System am Computer, 16 % eine Excel-Tabelle und 13 % handschriftliche Stundenzettel.
Wann wird die elektronische Zeiterfassung Pflicht?
Der BMAS-Referentenentwurf vom 18.06.2026 sieht eine grundsätzlich elektronische, taggleiche Erfassung vor, mit Übergangsfristen von 1 Jahr (alle), 2 Jahren (unter 250 Beschäftigte) und 5 Jahren (unter 50). Betriebe bis 10 Beschäftigte bleiben dauerhaft befreit. Der Entwurf ist noch kein Gesetz; die Erfassungspflicht als solche gilt aber schon heute (BAG, 13.09.2022).
Wie viele Überstunden leisten Beschäftigte in Deutschland?
Im Jahr 2025 waren es laut IAB-Arbeitszeitrechnung im Durchschnitt 11,6 bezahlte und 15,6 unbezahlte Überstunden je Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer. Die unbezahlten Überstunden überwiegen also.
Wie hoch war der Krankenstand 2025?
TK-versicherte Erwerbspersonen waren 2025 im Schnitt 18,6 Tage krankgeschrieben (2024: 19,1 Tage). Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe lagen mit 17,9 Fehltagen nahe am Durchschnitt.

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Erstellt mit KI-Unterstützung. Redaktionell verantwortlich: Alexander Barzik (siehe Impressum).

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